this post was submitted on 07 May 2026
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Im Moment sieht es danach aus, dass sie durchaus die größte Partei sein könnte, bei der nächsten Bundestagswahl. Stellt sie dann automatisch den neue BundeskanzlerIn? Was passiert, wenn keiner andere Partei an eine Koalition teilnehmen möchte? Ist eine Minderheitsregierung eine Option, oder wird es dann Neuwahlen geben?

all 34 comments
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[–] trollercoaster@sh.itjust.works 36 points 1 month ago* (last edited 1 month ago) (1 children)

Bei der Rückgratlosigkeit und Machtgeilheit unserer politischen Kaste wird bestimmt eine der etablierten Parteien die "Regierungsverantwortung" überhnehmen und mit den Nazis koalieren. Minderheitsregierungen wären in der Vergangenheit schon öfter möglich und sinnvoll gewesen, aber in der jüngeren Vergangenheit fehlte den Akteuren das Rückgrat und Verantwortungsbewusstsein dafür.

Das wird so laufen wie in der Endphase der Weimarer Republik. Ein paar Jahre lang alle paar Tage neue Koalitionen und/oder Neuwahlen, bis dann jemand mit den Nazis gemeinsame Sache macht und sie in die Regierung bringt. Dieser Jemand wird sehr wahrscheinlich die Partei sein, die sich selbst als "konservativ" bezeichnet. Geschichte wiederholt sich.

[–] notsosure@sh.itjust.works 2 points 1 month ago (1 children)

Danke für die Antwort, ich kann dem meisten zustimmen. Aber wenn ich deine erste Aussage betrachte: Wenn du so unzufrieden mit unseren aktuellen Politikern bist, was tust du persönlich, um die Situation zu verbessern? Hast du schon darüber nachgedacht, einer Partei beizutreten (um von innen etwas zu ändern), oder bist du in pro-demokratischen Vereinen aktiv? (Nur aus Neugier gefragt).

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 11 points 1 month ago* (last edited 1 month ago) (2 children)

Innerhalb von Parteien lässt sich nichts ändern, die sind von oben bis unten verrottet. Da kommt man nur mit Arschkriecherei, Vetternwirtschaft und Korruption irgendwo hin.

Und meine Erfahrung mit nichtparteilichen politischen Vereinen und Bewegungen ist bis jetzt ist, dass da, sobald die groß genug sind, um langsam in die Richtung zu gehen, dass sie was ändern können, die ganzen Möchtegernpolitiker mit ihrer formalistischen Greminenscheißerei, Arschkriecherei und Vetternwirtschaft ankommen und das Ganze lähmen. Gerade im linken Spektrum ist dabei dann oft identitätspolitische Opfer- und Befindlichkeitsolympiade angesagt, die das ursprüngliche Anliegen der Organisation einfach verdrängt.

[–] Micromot@piefed.social 1 points 1 month ago (1 children)

Was hältst du von gewerkschaftlicher Aktivität. Realistisch hat man da angeblich die besten Chancen eine Besserung zu erreichen, alleine wegen der großen relevant engagierten Mitgliedschaft

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 2 points 1 month ago* (last edited 1 month ago) (1 children)

Die meisten deutschen Gewerkschaften sind leider nicht mehr, als ein handzahmes Anhängsel der SPD. Auf diese Vertretung kann ich verzichten. Ich will keine Organisation fördern, die von irgendwelchen beschlipsten Taugenichtsen geführt wird, deren Lebensinhalt darin besteht, in den Aufsichtsräten rumzugammeln, die mich ausbeuten, und beste Freunde mit den Politikern zu sein, die mich verarschen.

[–] Micromot@piefed.social 1 points 1 month ago (1 children)

Sie geben aber die Möglichkeit vielen Menschen Klassenbewusstsein zu geben und sind darauf angewiesen, dass sie sozialpolitische Fortschritte machen, um weiter unterstützt zu werden.

Außerdem ist Doomerismus genau das was der kapitalistischen Klasse hilft, da man so untätig wird

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 3 points 1 month ago* (last edited 1 month ago) (1 children)

Die großen Gewerkschaften haben spätestens seit der Schröder-Ära keinerlei Klassenbewusstsein mehr. Die haben nämlich damals den gesamten sozialen Kahlschlag ohne nennenswerte Gegenwehr einfach hingenommen, weil er ja von der SPD kam. Und nein, Protestumzüge mit Sonntagsreden außerhalb der Arbeitszeit sind im Kontext von Gewerkschaften keine nennenswerte Gegenwehr, egal wie groß die sind. In anderen Ländern hätten die Gewerkschaften auf einen so umfassenden Sozialabbau mit einem Generalstreik reagiert. In Deutschland ist man halt nicht klassenbewusst und zu bieder für so was, außerdem will man ja die Drehtür der oberen Gewerkschaftsfunktionäre zur SPD-Führung nicht gefährden.

Das, was die deutschen Gewerkschaften treiben, ist nicht mal Besitzstandswahrung, denn seitdem gab es mehr als genug Tarifabschlüsse unterhalb der Inflation. Die sind ein Teil des Systems geworden, gegen das sie gegründet wurden.

[–] Micromot@piefed.social 2 points 1 month ago (1 children)

Ich meinte auch weniger die Führung als die Mitglieder

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 2 points 1 month ago

Das Problem ist aber, dass die Führung letztendlich vorgibt, was die Organisation als Ganzes tut, auch wenn das formal demokratisch ist.

[–] notsosure@sh.itjust.works 1 points 1 month ago (1 children)

Aber was machst du dann? Einfach zuschauen und ein paar Kommentare auf sozialer Plattformen abgeben, bringt doch Nix? Sollte man nicht die Welt verbessern, indem man mit Begeisterung und Optimismus bei sich anfängt?

[–] trollercoaster@sh.itjust.works 3 points 1 month ago* (last edited 1 month ago)

Begeisterung

Hab ich noch, aber ich vermeide es, diese in politische Organisationen zu stecken. Dafür bin ich zu alt und hab schon zu oft gesehen, wie das läuft.

Optimismus

Ohne eine realistisch begründete Annahme, dass sich was zum Besseren ändern wird, verarscht man sich damit nur selbst.

[–] killingspark@feddit.org 21 points 1 month ago* (last edited 1 month ago)

Wenn ich das richtig verstehe gibts erstmal zwei Wahlgänge bei der Bundeskanzler mit >50% gewählt werden muss. Wenn das kein Kandidat hin bekommt dann geht im dritten Durchgang einfache Mehrheit.

Dabei können sich natürlich trotzdem Parteien zusammen tun um den afd Kandidaten zu verhindern, egal ob danach koaliert wird oder nicht und egal ob das mehr als 50% sind, Hauptsache mehr als die afd.

Der gewählte Kandidat muss vom Bundespräsident danach noch ernannt werden. Bei absoluter Mehrheit gibts da auch keine alternative, bei einfacher Mehrheit kann er ernennen oder den Bundestag auflösen und damit Neuwahlen erzwingen.

[–] schnurrito@discuss.tchncs.de 18 points 1 month ago (1 children)

Stellt sie dann automatisch den neue BundeskanzlerIn?

Nein, wie der Bundeskanzler gewählt wird, steht in Artikel 63 Grundgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_63.html

Sie brauchen am Anfang eine Koalition hinter sich, die eine absolute Mehrheit hat. Nach vierzehn Tagen brauchen sie diese nicht mehr, aber jede andere Kombination von Parteien, die zusammen mehr Abgeordnete hat als die AfD und sich gemeinsam auf einen Bundeskanzler einigen könnte, könnte einen AfD-Bundeskanzler trotzdem verhindern, denn deren Kandidat bekäme dann ja mehr Stimmen.

So weit die Theorie; was in der Praxis passieren wird, kann ich nicht sagen. Was ich sagen kann, ist, dass wir in Österreich bereits die Situation haben, dass unser Äquivalent zur AfD (die FPÖ) die stimmenstärkste Partei bei der letzten Wahl war, trotzdem führt sie aktuell nur die Opposition an, weil drei andere Parteien (ÖVP, SPÖ und NEOS, das sind ungefähr die Äquivalente zu CDU/CSU, SPD und FDP), die gemeinsam eine absolute Mandatsmehrheit haben, eine Koalition gebildet haben.

[–] Jumi@lemmy.world 2 points 1 month ago

Klingt auch nach Pest gegen Cholera

[–] Majoran@feddit.org 9 points 1 month ago (1 children)

Man kann spekulieren, dass die Partei, sobald sie einmal wirkliche Regierungsverantwortung hat, sich ganz schnell selber zerlegt, sobald sie merken, dass sie davon total überfordert sind. Das wäre nichtmal unüblich und ist etwas, was mit der FPÖ in Österreich oder Vlams Blok in Belgien passiert ist. Andererseits zeigt ja auch die USA, dass Regierungstauglichkeit mittlerweile nicht mehr der Maßstab sein muss, um an der Macht bleiben zu können.

[–] poVoq@slrpnk.net 8 points 1 month ago* (last edited 1 month ago)

Das mit der FPÖ stimmt so nicht. Ja die haben die Regierungsverantwortung relativ schnell wieder verloren. Aber sie haben vorher extremen und nachhaltigen Schaden angerichtet und sind nach wie vor populär und könnten schnell wieder an die Macht kommen.

[–] Elchi@feddit.org 7 points 1 month ago* (last edited 1 month ago)

Was passieren wird ist, dass "jemand" dann eben braune Eier leckt.

[–] rumschlumpel@feddit.org 5 points 1 month ago* (last edited 1 month ago) (1 children)

Schau dir mal die ganzen Bundesländer an, in der die AfD bereits als stärkste Partei aus Landtagswahlen hervorgegangen ist. Kein einziges AfD-Ministerpräsidenty, und das obwohl die CDU dort oft besonders rechts ist im Vergleich zu Ländern ohne relativer AfD-Mehrheit. Es kann natürlich sein, dass sich das irgendwann ändert, aber grundsätzlich ist es am wahrscheinlichsten, dass es auf Bundesebene genauso ablaufen wird. Auch wenn viele in der CxU schon ziemlich Bock hätten.

[–] OhmeHose@feddit.org 4 points 1 month ago (1 children)
[–] DirtSona@feddit.org 1 points 1 month ago

Jupp. Dieses Jahr köbnte die AFD in Sachsen Anhalt sogar die absolute Mehrheit bekommen

[–] rbn@sopuli.xyz 4 points 1 month ago

Könnte mir sogar ganz gut vorstellen, dass die AfD zugunsten einer Koalition mit der Union erstmal aufs Kanzleramt verzichtet. Einfach um ein weiteres mal ein Tabu zu brechen. Die CDU wird sich dann verkaufen, nachdem sie ihre Pöstchen gesichtert geben und dem Faschismus endgültig freien Lauf lassen.

[–] Ontimp@feddit.org 2 points 1 month ago

Per Konvention wird die größte Fraktion im Bundestag vom Bundespräsidenten um die Bildung einer Regierungskoalition gebeten - aber einen Anspruch auf das Kanzleramt gibt es nicht. Wenn did AfD damit scheitern würde, muss sich der Rest zusammen raufen. Es würde auf jeden Fall eine kompliziertere und langwierige Regierungsbildung nach sich ziehen.