Ich habe wieder mal zwei Bücher:
Der Process von Kafka war anstrengend, verstörend, rätselhaft und schwer zu greifen. Ich bin mir immer noch nicht sicher wofür das Buch eigentlich stehen sollte, was wohl auch ganz die Absicht des Autors war. Es liest sich nicht besonders angenehm oder leicht, doch auch das ist wohl Teil der Erfahrung und von Kafka gewünscht. Wer Kafka mag kommt hier auf seine Kosten.
Dann hab ich noch The Catcher in the Rye von JD Salinger gelesen. Das fand ich erst mittelmäßig, nach mehr nachdenken allerdings dann aber leider doch scheisse. Holden ist ein privilegierter, misogyner, edgy kleiner Incel, dessen Weltbild darin besteht seine Mitmenschen und die Gesellschaft als „phony“ zu bezeichnen. Soweit so gut, vieles an dieser Gesellschaft ist tatsächlich heuchlerisch, aber statt diese Strukturen kongruent anzuklagen beschimpft Holden nur Individuen und besonders Frauen. Salinger baut keinerlei Momente in das Buch, in denen er Holdens toxische Philosophie als solche entlarvt und wenn ihm doch jemand widerspricht wird deren Autorität sofort untergraben. Die Carousel-Szene, in der Holden lernt, dass man Kindern die Möglichkeit geben muss, etwas zu versuchen und dabei zu falle ist klassische neoliberale Propaganda und wird durch den letzten Satz des Buchs entkräftet, so dass es wirkt als ob Holden wirklich gar nichts gelernt hat. Ich kann verstehen warum dieses Buch an amerikanischen Schulen so beliebt ist. Es zeigt Schülern dass in einer neoliberalen Gesellschaft Kritik OK ist, solange sie die Schuld beim Individuum, nicht beim System sucht. Lange hab ich kein so toxisches Buch mehr gelesen.