this post was submitted on 14 Feb 2026
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Ich habe wieder mal zwei Bücher:
Der Process von Kafka war anstrengend, verstörend, rätselhaft und schwer zu greifen. Ich bin mir immer noch nicht sicher wofür das Buch eigentlich stehen sollte, was wohl auch ganz die Absicht des Autors war. Es liest sich nicht besonders angenehm oder leicht, doch auch das ist wohl Teil der Erfahrung und von Kafka gewünscht. Wer Kafka mag kommt hier auf seine Kosten.
Dann hab ich noch The Catcher in the Rye von JD Salinger gelesen. Das fand ich erst mittelmäßig, nach mehr nachdenken allerdings dann aber leider doch scheisse. Holden ist ein privilegierter, misogyner, edgy kleiner Incel, dessen Weltbild darin besteht seine Mitmenschen und die Gesellschaft als „phony“ zu bezeichnen. Soweit so gut, vieles an dieser Gesellschaft ist tatsächlich heuchlerisch, aber statt diese Strukturen kongruent anzuklagen beschimpft Holden nur Individuen und besonders Frauen. Salinger baut keinerlei Momente in das Buch, in denen er Holdens toxische Philosophie als solche entlarvt und wenn ihm doch jemand widerspricht wird deren Autorität sofort untergraben. Die Carousel-Szene, in der Holden lernt, dass man Kindern die Möglichkeit geben muss, etwas zu versuchen und dabei zu falle ist klassische neoliberale Propaganda und wird durch den letzten Satz des Buchs entkräftet, so dass es wirkt als ob Holden wirklich gar nichts gelernt hat. Ich kann verstehen warum dieses Buch an amerikanischen Schulen so beliebt ist. Es zeigt Schülern dass in einer neoliberalen Gesellschaft Kritik OK ist, solange sie die Schuld beim Individuum, nicht beim System sucht. Lange hab ich kein so toxisches Buch mehr gelesen.
Habe "Der Process" als Abi Lektüre gehabt und war letztes Jahr nochmal in einer Aufführung an hiesigen Theater. Den Stress und die Verwirrung haben sie dort auch nochmal sehr herausgearbeitet (Josef K. stand fast die ganze Zeit auf einem Laufband). Ich fand's sehr eindrucksvoll auch wenn's mir mit der Handlung immer noch geht wie dir :D
Das klingt nach einer tollen Art, den Stress unter dem K steht umzusetzen. Für das Abi wär mir das aber glaube ich zu hart gewesen… da hätte ich dann wahrscheinlich auch schnell deprimierende Parallelen zu meiner eigenen Situation gefunden :D
Mit Kohlhaas zusammen war die Botschaft irgendwie: versuchs gar nicht erst!
Kohlhaas fand ich auch top, aber bei ihm fand ich dass das Ende ihm ja dann doch Recht gegeben hat, auch wenn’s übel für ihn ausging.
K‘s Ende „Wie ein Hund“ war für mich deutlich deprimierender.
Meine Erfahrungen mit Kafka sind auch eher, das er ein Gefühl bzw. eine Stimmung beim Schreiben rüberbringt, weniger eine kohärente Geschichte. Der Prozess ist aber noch auf meiner Liste und habe ich bisher noch nicht gelesen.
Und deine Einschätzung zu Catcher in the Rye ist interessant und würde zum System in den USA passen.
Ich stimme dir zu Kafka voll zu. Am Ende ist die Ambivalenz ja eine seiner größten Stärken. Es ist egal ob der Prozess für das Himmlische Gericht, den Kapitalismus, den Kampf mit dem eigenen Über-Ich, Depression und Burnout oder was weiß ich alles steht. Die Gefühle und psychologischen Zwänge sind universell und Teil des Mensch-Seins.
Catcher ist soweit ich weiß schon immer umstritten. Erst waren konservative entsetzt, dann die Linken dagegen. Ich bin sicher mein take ist nicht besonders originell und es gibt schlauere und präzisere Kritiken und Analysen. Vielleicht macht die kontroverse Natur das Stück zu einem interessanten Spiegel der Zeit. Mir hat es trotzdem nicht gefallen, besonders mit dem Hintergrund als Schullektüre.