Leider aus Gründen ohne Archiv
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Inhaltlich finde ich ist das Ergebnis jetzt allenfalls für die Wissenschaft eine Neuigkeit. Betroffenen nützt es halt wenig, wenn sie nur unter idealen, oftmals utopischen Bedingungen ihre Lebensqualität steigern können. In der Praxis brächte dieses Wissen nur etwas, wenn es gelänge, einen Anspruch daraus abzuleiten. Denn aktuell ist es überwiegend so, dass in unserer Gesellschaft keine Rücksicht genommen wird auf die genetisch bedingten Besonderheiten von Menschen mit ADHS.
Ausführungen für Interessierte
Im Unterschied zum Autismus wird bei ADHS immer noch erwartet, dass sich die Betroffenen halt anpassen müssen. Der Leidensdruck, der dadurch entsteht, ist oft nicht einmal den Betroffenen selbst ausreichend bewusst.
Spannend war, dass sie ihre Untersuchung auf mehrere neurodiverse Gruppen ausgedehnt haben, und wie sie sich unterscheiden:
Menschen mit Autismus oder ADHS berichteten im Durchschnitt über mehr Stress und weniger Zufriedenheit als neurotypische Personen. Für Hochbegabte sowie Menschen mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche ließ sich dieses Muster hingegen nicht beobachten.
Umgebungen, die Handlungsspielräume eröffnen, klare Rückmeldungen geben und soziale Sicherheit fördern, könnten das Wohlbefinden vieler Menschen verbessern, die anders ticken als der Durchschnitt. Denkbar wären zum Beispiel flexible Arbeitszeiten und Rückzugsmöglichkeiten, wenn Reize zu viel werden.
Ja, es wäre schön, wenn soziale Sicherheit gefördert würde. Da müssen aber viele Ärzt:innen, Lehr- und Verwaltungskräfte in Deutschland sehr viel lernen! Denn sie sind es, die Betroffene unterstützen müssten, solange diese einer Gesellschaft ausgesetzt sind, in die Menschen mit ASS und ADHS nicht hinein passen, so wie sie sind.
Die Autorinnen und Autoren plädieren daher für einen Perspektivwechsel: Statt Diagnosen in den Mittelpunkt zu stellen, sollte Lebens- und Arbeitsbedingungen mehr Beachtung finden. Umgebungen, die Handlungsspielräume eröffnen, klare Rückmeldungen geben und soziale Sicherheit fördern, könnten das Wohlbefinden vieler Menschen verbessern, die anders ticken als der Durchschnitt. Denkbar wären zum Beispiel flexible Arbeitszeiten und Rückzugsmöglichkeiten, wenn Reize zu viel werden.
Hat jemand von einem Integrationsfachdienst gehört, der für Menschen mit starker ADHS Arbeitsplätze findet? Von einem Jobcenter, das darauf Rücksicht nimmt? Es gibt halt nicht nur hochqualifizierte ITler:, Künstler:innen und ähnliche Sonderbegabungen mit ADHS...