Zumindest auf den privaten Hausbau bezogen kann ich die Headline ziemlich einfach beantworten: Ja.
Haben letztes Jahr in Baden-Württemberg gebaut. Die Anzahl an Normen, die maßlos übertrieben sind, ist lang.
Beispiel: Ich musste nachweisen, dass ich - basierend auf die Quadratmeter Wohnraum in meinem Haus - ganze 5 (!) wettergeschützte Fahrradstellplätze auf meinem Grundstück habe. 5. Für ein Einfamilienhaus.
Wozu? Was ist die Begründung? Ist halt so, ist eine Vorgabe in BW, Bauantrag abgelehnt. Dann hat die Architektin eben 5 Fahrradstellplätze Copy & Paste in unsere Garage eingefügt, und die Beanstandung war weg. Das ist Schwachsinn.
Ebenso war das Baurechtsamt extrem ineffizient. Effizient wäre, durch den Bauantrag durchzugehen und eine Liste von Punkten zu geben, die Anpassungen benötigen. Stattdessen wurde uns beim ersten gefundenen Problem immer direkt geantwortet, wir haben die Anpassung gemacht, nur dass dann kurz darauf das nächste (davon unabhängige) Problem gemeldet wurde. Extrem ineffizient, und jedes mal gingen wieder 2-3 Wochen ins Land. Wir reden hier nicht von groben Fehlern der Architektin, sondern von Kleinigkeiten, oder einach nur Nachfragen zu mehr Details.
Unter dem Strich haben wir ein halbes Jahr für den Bauantrag benötigt, und billig war es auch nicht.
Ich war immer ein Fan von Normen und Richtlinien - sie existieren aus einem Grund. Beim Hausbau bin ich aber zum ersten mal auf die Schwachsinnigkeit mancher Regelungen gestoßen. Mir wurde klar, dass manche Normen von Menschen verfasst sind, die nicht genügend Ahnung von der Materie haben, und auch die Probleme nicht von einer praktischen Seite betrachten.