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Genau an dieser Stelle sieht Kraus einen Systemfehler. Sein Vorwurf: In den Arbeitsgruppen, die die Normen festlegen, seien überproportional viele Vertreter aus Wirtschaft und Industrie - mit einem Eigeninteresse. Kraus kritisiert: "Die Industrie hat überhaupt kein Interesse daran, die Normen zu reduzieren und damit weniger Baustoffe zu verkaufen, denn die verdienen daran Geld."

Der Normenausschuss ist heute tatsächlich eine Lobbyorganisation. Der Gesetzgeber ist aber Mitschuld, wenn er Standards nach DIN-Normen verpflichtend vorschreibt, ohne sie selbst nochmal zu kontrollieren, ob sie denn so sinnvoll sind. Die Vorgaben in der Automobilbranche sind genau so entstanden. Die einheimische Branche gibt sich selbst Regeln, um die ausländische Konkurrenz zu schädigen. Nicht alle Regeln sind sinnvoll.

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[–] JensSpahnpasta@feddit.org 2 points 15 hours ago

Der Gesetzgeber ist aber Mitschuld, wenn er Standards nach DIN-Normen verpflichtend vorschreibt, ohne sie selbst nochmal zu kontrollieren, ob sie denn so sinnvoll sind.

Hier wäre mit echtem Bürokratieabbau wirklich einiges an Potenzial zu heben. Normalerweise meint die Politik ja mit Bürokratieabbau, dass man total sinnvolle Regeln wie Maximalarbeitszeiten schleift, aber genau in diesem Sektor könnte man auch sehr, sehr viele sinnlose Regeln überarbeiten oder abschaffen. Es gibt definitiv ein gewaltiges Potenzial in der Wirtschaft, wenn man zum Beispiel diverse Meisterzwänge abschafft. Aktuell benötigt man zum Beispiel für das Eröffnen einer Fahrradwerkstatt einen entsprechenden Meistertitel. Es gibt aber keine sinnvolle Erklärung, warum zum Beispiel nicht ein ausgebildeter Fahrradmechaniker oder auch ein entsprechend fähiger Hobbyschrauber irgendwo in einem Hinterhof eine kleine Werkstatt errichten sollte, um dort in seinem Umkreis Schläuche zu flicken, Mäntel zu tauschen, Ketten auszuwechseln und so weiter.

Ähnlichen Spaß haben wir in vielen Bereichen. Schaut euch zum Beispiel mal an, wie das mit den Klimaanlagen läuft. Bei uns brauchst du für den Einbau einer Klimaanlage einen entsprechenden Kälteschein. Du darfst es als Privatmensch nicht einfach so machen, auch mit QuickConnect und anderen Lösungen. Deswegen ist die Portasplit ja so beliebt. Du musst immer einen Handwerker engagieren, die sind ausgelastet, es gibt zu wenige und das treibt die Kosten gewaltig hoch. Einen entsprechenden Kälteschein kannst du zum Beispiel in anderen europäischen Ländern relativ einfach an einem Tag machen mit überschaubaren Kosten. In Deutschland benötigst du dafür deutlich mehr Ausbildung und auch dann darfst du nicht einfach so Klimaanlagen anschließen.

Da haben einige Handwerkerinnungen sich schöne rechtliche Hürden geschaffen, um viel Konkurrenz fern zu halten. Und das macht natürlich vieles teuer und kompliziert, v.a. wenn dann die Nachfrage steigt.