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[–] bennees@feddit.org 10 points 3 days ago (3 children)

Ich wurde damals ausgemustert. Eigentlich ohne wirkliche Gründe. Mein lokales Kreiswehrersatzamt war auch bekannt das es eigentlich damals (2003) nur Leute will die sich auch tatsächlich verpflichten, über den Grundwehrdienst hinaus. Ich hatte damals geplant zu verweigern.

Bei der Bundeswehr hat man damals zwei Dinge gelernt. Saufen und Skat spielen. Beides konnte ich schon. Mir musste auch niemand mehr erklären wie man T-Shirts faltet und sein Bett macht.

Leider durfte ich deshalb keinen Zivildienst machen. FSJ usw, gab es in dieser Form damals nicht und ich hätte schon gerne noch 9-12 Monate was gemacht um mich auch ein wenig zu orientieren.

Ich würde mich aber auch als junger Mensch heute nicht zur Bundeswehr gehen. Ich fühle mich keinem "Land" verpflichtet, in der Hinsicht das ich meine Gesundheit oder mein Leben dafür opfern sollte. Grundsätzlich ist es auch gegen meine Weltanschauung im Namen eines Landes oder "Volkes" anderen Menschen Gewalt anzutun.

Im Falle das man tatsächlich sich und die Gesellschaft mit Gewalt verteidigen muss, gibt es meiner Meinung nach doch Alternativen zur Armee des Staates. Wenn es hart auf hart kommt, bin ich auch durchaus bereit Opfer zu bringen und im Notfall Gewalt anzuwenden. Allerdings halt nicht unter dem Kommando der Bundeswehr.

Von den grundsätzlichen Punkten abgesehen, halte ich die Bundeswehr für einen Trümmerhaufen, der erstmal sein strukturelles Nazi-problem und andere Probleme in den Griff bekommen muss.

[–] squidie@feddit.org 15 points 3 days ago (4 children)

Ich selbst war 2006 bei der Bundeswehr und habe mich daher bereits 2003 mit dem Thema auseinander gesetzt.
Bei uns gab es 2003 bereits Leute im FSJ aber das kann ja von Ort zu Ort unterschiedlich sein oder es waren bestimmte Rahmenbedingungen die es dir unmöglich gemacht haben.

Bei der Bundeswehr hat man deutlich mehr beigebracht bekommen, unter anderem etwas, das in meinen Augen der heutigen Gesellschaft fehlt.
Dabei meine ich besonders den Respekt anderen Menschen gegenüber, Hilfsbereitschaft und dass man nur gemeinsam stark sein kann.
Wenn man allerdings vorher bereits eine Meinung hatte, kann man das natürlich leicht übersehen.
(und ja ich habe alles von dir genannte dort ebenfalls gelernt oder vertieft ;-))

Die Bundeswehr macht auch deutlich mehr als nur Gewalt gegen Menschen auszuüben.
Ich würde behaupten, dass "unsere" Armee sogar den Großteil der Zeit damit verbringt Menschen in Krisen zu helfen.
Und damit meine ich nicht nur im Ausland.

Natürlich zieht eine Bundeswehr, die die eigene Gesellschaft und unser Zuhause schützen soll, besonders Leute an, die bereit sind ihr Zuhause zu schützen. Also primär Leute, die ihre Heimat und ihre Familien lieben.

Die Bundeswehr hat sicherlich ein Problem mit Nazis und Rechtsradikalen aber in meinen Augen spiegelt das nur unsere aktuelle Bevölkerung wieder, schaut euch nur die Zahlen der AFD an.

Ich finde es unglaublich schade, dass viele nach der alten Geige " Bundeswehr = böse" tanzen und sich kein eigenes Bild machen.
Damit meine ich nicht, dass man gleich hingehen muss, aber man sollte neben den NATO-Einsätzen wo wir z.B. die USA unterstützen müssen, auch die Einsätze sehen, wo die Bundeswehr der eigenen und auch fremder Bevölkerung hilft. Oftmals hilft sie in Krisen Leben zu retten und das ganz ohne jegliche Gewalt (außer vielleicht gegen Wasser-, Schnee- oder Schlammmassen).

Ich möchte meine neun Monate bei der Bundeswehr nicht missen und meine etwas vergleichbares würden vielen gut tun.
Man war das erste Mal gezwungen seine Bubble wirklich zu verlassen und das war eine sehr gute Erfahrung, die heutzutage mit dem Internet nur noch wichtiger wäre.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute einfach mal zu einem Tag der offenen Tür bei der Bundeswehr gehen und mit den Leuten reden, statt nur aus der Ferne über etwas unbekanntes zu richten.

Nur gehörtem oder gelesenem zu folgen ohne sich ein eigenes Bild gemacht zu haben, ist eine der größten Krankheiten unserer Generation. (ok das ist vermutlich nichts neues, gabs früher auch schon, siehe zweiter Weltkrieg)

[–] bennees@feddit.org 5 points 3 days ago (1 children)

Schon sachlich richtig aber es wird ganz gerne so getan (nicht von dir) als würde man gewisse Dinge quasi "nur" im Wehrdienst lernen.

Klar kann man "deutsche Tugenden" auch beim Bund lernen wie Pünktlichkeit, Verbindlichkeit, Ordnung, Teamwork usw. Allerdings kann man das auch in ziemich vielen anderen Bereichen lernen. Alles Bereiche die nicht militaristisch organisiert sind bzw. dem Staat untergeben sind.

Das Argument mit der Krisenhilfe zieht für mich auch nicht wirklich. Ich finde das eh grundsätzlich kritisch das die Bundeswehr Katastrophenhilfe leistet. Nicht weil sie es tut, weil da jede Hand hilfreich ist, sondern das wir keine anderen besseren Institutionen haben die im Ansatz ähnlich finanziert sind. Das THW besteht z.B. zu 99% aus ehrenamtlichen Helfern. Dafür muss niemand an der Waffe ausgebildet werden und letztendlich Befehle befolgen die "dem Staat" dienen und oft nicht den Menschen.

Ich habe im Freundeskreis recht viele Leute die Soldaten waren und auch aktiv in Kampfeinsätzen waren. Dazu gehören auch Leute die beim Bund waren. Teilweise wie gesagt in Kampfeinsätzen, aber auch bei Schreibtischjobs. Nur ein Kollege der dort in der IT gearbeitet hat blickt da nicht mit Verbitterung zurück. Das übrigens alles im Kontext einer Karriere und keiner potentiellen Verteidigung der BRD. Ich bin in meinem Sozialleben grundsäzlich Pazifist, aber halt auch nur dort. Gewalt ist manchmal leider nötig um z.B. Gewalt durch Dritte zu verhindern oder zu stoppen. Deswegen muss man sich aber meiner Meinung nach halt nicht einer Staatsorganisation wie der Bundeswehr anschließen.

[–] kossa@feddit.org 4 points 3 days ago* (last edited 3 days ago)

Allerdings kann man das auch in ziemich vielen anderen Bereichen lernen

Dies. Ich kann voll verstehen, dass bspw. die Kameradschaft beim Bund für viele ein krass positives Erlebnis war, von dem ja auch immer viele schwärmen.

Ich hatte aber halt vor meinem Wehrdienst schon viel geilere Kameradschaft erlebt, bei den Pfadfindern. Die basierte dort auf Freiwilligkeit, auf "wir teilen die gleichen Werte" etc.

Beim Bund wird Kameradschaft halt verordnet. Deshalb habe ich die Kameradschaft beim Bund auch versagen sehen, in Situationen, wo sie bei den Pfadfindern niemals versagt hätte.

Ich bin privilegiert, das erlebt zu haben. Und deswegen verstehe ich auch, dass die Leute, die das Privileg nicht hatten, eben die "unechte Kameradschaft" bei der Bundeswehr als was ganz tolles wahrnehmen.

Aber irgendwie ist das nicht genug Grund junge Menschen da hin zu zwingen und sie nebenbei noch zum Töten auszubilden. Sondern irgendwie anders zu enablen das, sogar in besser, zu erleben.

[–] kossa@feddit.org 3 points 3 days ago

Die Bundeswehr hat sicherlich ein Problem mit Nazis und Rechtsradikalen aber in meinen Augen spiegelt das nur unsere aktuelle Bevölkerung wieder, schaut euch nur die Zahlen der AFD an.

Also, wenn ich meinen eigenen Wehrdienst von 2007 dagegen halte, muss ich davon ausgehen, dass der Anteil problematischer Soldaten weit über dem Anteil in der Gesellschaft liegt.

Weil, wie du ja schreibst, natürlich ein spezielles Klientel von großen Waffen und autoritären Strukturen angesprochen wird.

Und dann...ist das ja keine Entschuldigung und auch kein "halb so wild"?! Im Gegensatz zur "aktuellen Bevölkerung" hat die Bundeswehr halt Kriegswaffen. Das sind genau die Leute, die die komischen "Merkel aufknüpfen" Forderungen einer AfD Regierung dann irgendwann durchsetzen, weil sie die Mittel (Waffen) und den Willen (größtenteils AfD Anhänger oder zumindest Sympathisanten) haben.

[–] Bademantel@lemmy.world 0 points 3 days ago* (last edited 2 days ago) (1 children)

Also primär Leute, die ihre Heimat und ihre Familien lieben.

Ah ja, die Familie.

Erstmal eine spannende Aussage, zu behaupten, Soldaten würden ihre Familien mehr lieben als Zivilisten.

Der Text nimmt darauf ja auch Bezug. Würdest du es wie Reinhard Mey handhaben und deinen eigenen Sohn nicht in den Krieg schicken? Ganz familienfreundlich, finde ich.

Oder gilt es, den Staat zu verteidigen und dafür notfalls auch die Familie zu opfern? Du brauchst mir nicht zu sagen, dass das natürlich keiner bei der Bundeswehr möchte. Ändert natürlich nichts daran, dass der Staat im Notfall auf deinen Sohn als Ressource zugreift, um sich oder seine Einflusssphäre zu verteidigen.

[–] bennees@feddit.org 1 points 2 days ago (1 children)

Was wenn deine Familie scheiße ist? Ich habe ein normales Verhältnis zu meiner. Ich kenne aber auch reihenweise Leute die aus guten Gründen kein gutes Verhältnis zur eigenen Familie haben. Zum Beispiel weil sie dort diverse Formen von Gewalt erlebt haben, oder das die Familie sie sprichwörtlich rausgeworfen haben weil sie sich z.B. als homosexuell oder trans geoutet haben.

[–] Bademantel@lemmy.world 0 points 2 days ago (1 children)

Verstehe jetzt nicht genau, wo da der Kontext sein soll. Ist deine Familie scheiße, solltest du dich von ihr distanzieren.

Hier geht es doch aber um das Gegenteil. Der Begriff Familie wird instrumentalisiert, um Menschen dazu zu bewegen, im Kriegsfall anderen das Leben zu nehmen. Wie das der eigenen Familie helfen soll, besonders weil die Wiederkehrenden dann mit allerlei psychischen Problemen belastet sind, ist nur durch Abstraktion zu erklären.

[–] bennees@feddit.org 1 points 2 days ago

Die Argumentation das man ja für "seine Familie" zur Bundeswehr gehen sollte zieht halt nicht bei allen Menschen. Wie du richtig erkannst hast ist der Begriff aber (meistens) stark instrumentalisiert im Sinne von recht schwammigen mutmaßlichen Grundwerten von "Deutschland" die man doch bitte verteidigen soll beim Bund.

[–] Obin@feddit.org -2 points 3 days ago* (last edited 3 days ago)

Natürlich zieht eine Bundeswehr, die die eigene Gesellschaft und unser Zuhause schützen soll, besonders Leute an, die bereit sind ihr Zuhause zu schützen.

Oder halt eine, die in naher bis mittlerer Zukunft im Ausland koloniale Interessen sichern soll und an den EU-Grenzen Klimaflüchtlinge erschießen soll. Also die zieht wie man sieht auch diese naive Fraktion an, die den Politikern glaubt das Vaterland müsse vor irgendeinem fiktiven Feind geschützt werden. Die werden dann zunächst mal angewidert sein zu was sie instrumentalisiert werden (und wurden, um im Vorfeld das Narrativ glatt zu ziehen, siehe hier), aber daran gewöhnt sich die Bevölkerung dann auch.

Man war das erste Mal gezwungen seine Bubble wirklich zu verlassen und das war eine sehr gute Erfahrung

Meiner Erfahrung nach kamen die Wehrdienstler in meinem Bekanntenkreis alle vollkommen gehirngewaschen zurück, vor allem in Bezug auf die Bundeswehr selbst, ihre Wichtigkeit, toxische Männlichkeitsbilder und die Wichtigkeit der Bundeswehr für die Erfüllung dieser Männlichkeitsbilder, einer abschätzigen Haltung gegenüber Zivildienstleistenden/Kriegsdienstverweigerern, und so weiter. Und wenn sie dann erzählen was sie so gemacht haben, naja durch den Schlamm gerobbt und gesoffen, danach irgendeine Schranke bewacht und gesoffen oder einen Lastwagen gefahren und gesoffen.

Und die Einzigen, die das hinterher aufgearbeitet und hinterfragt haben waren die, die vom Ausbilder oder den anderen Soldaten hart gemobbt wurden.

Also wenn dir die Bundeswehr deinen Horizont erweitert hat, dann möchte ich die Bubble nicht sehen in der du vorher gesteckt hast.

[–] kossa@feddit.org 6 points 3 days ago (1 children)

Will jetzt ja keine Lebenslaufkrise auslösen, aber das FSJ gibt es seit 1964.

[–] bennees@feddit.org 1 points 2 days ago (1 children)

Ich schrieb in der modernen Form. Da hat sich über die Jahre viel geändert, alleine schon wegen dem Budget mit dem man die Stellen bezahlt hat. Daraus ergeben sich dann z.B. Zahlen von 1.500 FSJlern 1964 und bis zu 50.000 pro Jahr in der heutigen Zeit. Wobei die Zahl wieder rückläufig ist weil man das Budget dafür wiederfleißig kürzt.

Dazu hat sich auch die Form verändert und die größte Veränderung war 2008. Da wurde die Altersgrenze für das FSJ von 25 auf 27 angehoben und eine pädagogische Begleitung wurde Pflicht. Dazu wurden auch die Einsatzmöglichkeiten vergrößert. Dazu wurde 2011 dann auch der BFD eingeführt.

[–] kossa@feddit.org 1 points 2 days ago

Wobei es für dich ja (vermutlich) egal gewesen wäre 2003 mit der Altersgrenze und wieviele Stellen es 1964 gab.

Mein Kommentar war ja eher "schade, dass du das machen wolltest, aber keiner dich auf die Möglichkeit hingewiesen hat (oder es keine coolen Möglichkeiten für deine Vorlieben gab)".

[–] copacetic@discuss.tchncs.de 1 points 3 days ago (1 children)

Lustig, denn ich habe 2003/2004 ein FSJ gemacht.

[–] bennees@feddit.org 2 points 3 days ago

Schon den ganzen Kommentar lesen. Das FSJ gab es damals nicht in der Form die es dann mit dem Ende der Wehrpflicht gab. Das FSJ gibt es schon ziemlich lange. Allerdings war die Finanzierung und damit die Anzahl der Stellen wesentlich beschränkter. Da sind wir übrigens dank Kürzungen auch wieder in einer Kurve die nach unten geht.