jamie_veal

joined 1 month ago
 

Content Warnings:tätlicher Angriff (im Traum), Drogen

Disclaimer:Moin zusammen,

uff, turbulente Zeiten sind das, so viel shit zu erledigen, wenn man endlich Depressionen bekämpfen will (kann?).

Drugs are bad, m’kay? Drogen sind ein gefährliches Spiel mit dem Kopf und das kann tödlich enden. That being said, wenn ihr es tun müsst, passt auf euch auf. Tut euch den Gefallen, informiert euch, gebt Safer Use eine Chance - Safe Use gibt es nicht. Haltet das Risiko klein, macht es nicht alleine, lernt anständig zu dosieren. Trinkt Wasser und versucht auf eure Körper zu hören, wenn sie euch warnen. Und so nebenbei, die Menschen in meinem Umfeld, die es geschafft haben, sich immer an alle Regeln zu halten, kann ich an einer Hand abzählen.

Und wenn man ein Mensch ist, dem dieses Risiko egal ist, dem die Drogen etwas geben, was sie sonst nirgendwo finden können, dann ist es sicherlich eine gute Idee, zu ergründen, woran das liegt und ob man auch einen weniger selbstzerstörerischen Weg gehen könnte.

In der Tiefe der Nacht, erhellt nur durch kegelförmiges Laternenlicht, gehe ich Richtung Bahnunterführung. Meine Magengrube meldet sich, ein flaues Gefühl, ich werde verfolgt. Dann sehe ich ihn, diesen großen, kräftigen Mann, er kommt auf mich zu. Was trägt er, einen Anzug, eine Uniform? Er kommt näher, wird immer größer, bedrohlicher. Ich habe Angst, was will er von mir? Mit einem Ruck packt er mich und drückt mich zu Boden, ich kann nichts machen. Meine Arme und Beine sind wie gelähmt in seinem festen Griff, ich bin völlig machtlos. Er ist jetzt direkt vor mir, blickt auf mich, sein Gesicht ein Schatten. Wie zu Eis erstarrt liege ich am Boden, regungslos, gefangen von einem Phantom.

Schweißgebadet erwachte ich in meinem Bett - der letzte Alptraum lag viele Jahre zurück. Ich wusste gar nicht mehr wie sich so etwas anfühlt, seit Ewigkeiten erinnerte ich mich kaum an Träume. Diese fürchterliche Atmosphäre, der man ausgeliefert ist. Wer war dieser Gegner? Was ist es, dass eine solche Macht über mich hat? Die Suche nach der Antwort begann in viel zu seltenen Journaleinträgen.

Nach der 10. flohen mein bester Schulfreund und ich aus unserer Stufe, an verschiedene Schulen. Mich verschlug es zunächst an ein Berufskolleg, wo ich ein Jahr in den Sand setzte, nur um dann zurückzugehen, eine Stufe drunter, in der ich ein paar Freunde hatte. Als die Lehrer unserer alten Stufe immer gesagt hatten, wir wären die schlimmste Klasse von allen, nahm ich an, dass sie das zu allen sagen – heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

In der neuen 11. hatten wir einen wundervollen Philosophielehrer, den wir Dank unseres relativ kleinen Kurses voll auskosten konnten. Doppelstunden in zwei Teilen: Zunächst stellte er ein Thema, wir teilten unsere Gedanken, Ideen und Vorstellungen, die er dann in der zweiten Hälfte argumentativ zerlegte. Es war glorreich, vielleicht der wichtigste Kurs meiner Schullaufbahn. Ich lernte, dass Moral etwas ist, was man sich aufbauen kann - anstatt einfach blind irgendwelchen an den Haaren herbeigezogenen Interpretationen eines alten Buches zu folgen. Alle, die mitgemacht haben, sind links-grün versifft aus diesem Kurs hervorgegangen.

Die Liebe zur Weisheit war erwacht. Philosophie ist ehrlich, sie macht dir nichts vor, setzt dir keine Lügen in den Kopf. „Ich denke also bin ich“, ist mein Körper echt? Ist unsere Welt überhaupt real? Fragen, die nicht mit absoluter Sicherheit beantwortet werden können – aber da ist etwas, irgendetwas, dass denkt und existiert. Die eine absolute Wahrheit, wenn man’s so will.

Später stolperte ich über Nietzsche, begann zu lesen und erfuhr eine eigenartige Verbindung zu diesem Menschen, dem Philosoph mit dem Hammer, der die letzten Überreste meiner Überzeugungen zerstückelte. Freier Wille ist Quatsch, Wahrheit ist eine Farce, Gott ist tot und ich bin frei. Ich will gar nicht so tun, als hätte ich ihn durch und durch verstanden, er ist verdammt gut darin, missverstanden zu werden, aber einer Sache bin ich mir sicher: Nihilismus ist keine Antwort, sondern ein Problem für Menschen, die nach Wahrheit suchen.

Zen-Buddhismus zieht mich in seinen Bann, aber ich bin nicht bereit loszulassen. Auch die großen Existentialisten konnten mich nicht überzeugen, später erklärte mir Camus, der Existentialist, der keiner sein wollte, wieso: Es ist philosophischer Suizid. Da ist nur das Absurde, die Sinnlosigkeit in der Suche nach der ultimativen Frage vom Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Es bleibt nur die Rebellion, eine Kampfansage an das Absurde: Die innere Weigerung sich von der Sinnlosigkeit fertig machen zu lassen.

Ja super, dann hatte ich mir also endlich einen ungezügelten Hedonismus rationalisiert, lebte vor mir her, von einer depressiven Episode in die Nächste, weiterhin geplagt von Gefühlen, die ich als „Mann“ nicht verstehen konnte. Dann fanden Drogen ihren Weg in mein Leben, ich hatte nie eine Chance.

Der deutschen Tradition entsprechend begann es natürlich mit Alkohol. Gras ist eine Einstiegsdroge, dass ich nicht lache. Mein Leben lang fühlte ich mich irgendwie fremd in meinem Umfeld, völlig egal wo, selbst unter den besten Freunden, ich war anders und verschlossen. Mit Alkohol konnte ich das ab und zu mal vergessen, ging auf in sozialen Interaktionen und hatte Spaß und Alkoholvergiftungen, bei denen man rückblickend durchaus auch mal ins Krankenhaus gekonnt hätte. Wir hatten Glück.

Aber das war nur was fürs Wochenende, Gras wurde mein täglicher Begleiter, beruhigte den Kopf und die Gefühle, dicht gefolgt von der Nikotinabhängigkeit. Tabak ist meine vielleicht am meisten verhasste Droge, sie gibt mir nichts, außer der temporären Beseitigung eines aus dem Konsum selbst entstandenen Stresses, was für ein beschissener Deal. Durch die Kifferei lebte der Kontakt zu meinem zweitältesten Bruder wieder auf, zwar zunächst nicht sonderlich emotional, aber zumindest eine physische Nähe war wieder vorhanden.

Ich begann mich für Ecstasy zu interessieren, las immer wieder im Internet von Menschen, die sich mit so was einlassen, informierte mich, sprach mit meinem Bruder. Irgendwann wollte ich es wissen und traf mich mit einem Kumpel, mein erstes Mal. Ich schluckte diese kleine Pille und verbringe eine kaum auszuhaltende Stunde mit Warten, bis es mich erreicht. Plötzlich ist da dieses Gefühl, das mir völlig fremd geworden war, eine Wärme durchströmt meinen Körper und ich bin einfach nur… glücklich, wie ich es zuletzt in meiner sorgenfreien, viel kurzen frühen Kindheit war.

Nach dem Abi ging es natürlich an die Uni, sonst wird aus einem ja nichts, wie ich in der Schule gelernt hatte. Ich versuchte es mit Mathe, fand kaum Anschluss, hatte keinen Kopf dafür und brach nach wenigen Monaten ab. Zum nächsten Semester fiel die Wahl dann auf Biologie, wo ich nach und nach einen zweiten Freundeskreis aufbauen konnte. Wenig später starteten wir unsere Clubkarriere.

Die erste Zeit war ich schlicht weg verliebt in diese wundervolle Techno-Szene. Wenn man sich mal anrempelt drehen sich beide um und entschuldigen sich, wildfremde Menschen umarmen sich, versorgen sich gegenseitig mit Wasser; Freundinnen schwärmen davon, einfach mal unbeschwert tanzen zu können, ohne ständig angestarrt und angefasst zu werden.

Circa ein halbes Jahr hatte ich eine rosa-rote Ecstasybrille auf, die Welt war nicht mehr grau, sie war bunt und fröhlich, selbst wenn ich nüchtern war, und Probleme waren irrelevant. Aus einer kurzen, weißen Liste an Drogen, die für mich okay sind, wurde nach und nach eine kurze schwarze Liste an Drogen, die ich nicht anrühren wollte (und auch bis auf eine Ausnahme nie angerührt habe): Die „wirklich bösen“ Drogen mit viel zu hohem Abhängigkeitspotenzial, Crack, Meth und Opiate.

Relativ schnell kam im Rahmen von Goa-Festivals, vielleicht das heutige Zuhause der Hippiekultur, auch LSD ins Spiel. Anfangs hatte ich sehr viel Respekt vor psychedelischen Drogen, vor dieser besonders. Man wurde gewarnt, Bad Trips, Horror Trips und Menschen die komplett darin hängen bleiben. Doch mit der rosa-roten Brille dachte ich mir, da kann nichts schief gehen. Inzwischen hatte ich mich ausgiebig informiert, lernte was Safer-Use bedeutet und riskierte es.

Es lässt sich einfach nicht in Worte fassen, die der Erfahrung gerecht werden. Beim ersten Trip wurde es zum Running-Gag, dass jm. versucht zu beschreiben, was bei ihm/ihr gerade abgeht, nur um nach einigen wirren Sätzen ein fassungsloses „Abgefahren….“ rauszustammeln. Acid durchzieht die gesamte Wahrnehmung, das gesamte Denken und stellt die Realität auf den Kopf. Ein wilder Strom an Assoziationen fließt durch einen durch, es formen sich chaotische, kaum festzuhaltende Gedanken, manchmal absolut brillante neue Perspektiven, manchmal völlig sinnloser Schwachsinn und alles dazwischen. In meinem Kopf eine Erinnerung, wie ich mit wehender Decke hinter’m Rücken Richtung Festivalgelände laufe, ein Gefühl von absoluter Freiheit.

Aber es kam wie es kommen musste und die rosa-rote Brille ließ nach. Dosen wurden erhöht, um das gewohnte Level zu erreichen, nicht selten war es zu viel, zum Glück nie zu viel zu viel. Auf Amphetamin und Ecstasy in durchzechten Clubnächten folgten chemische Kater, die mich gerne Mal eine Woche begleiteten und absolut brutale, depressive Episoden mitbrachten. Die selben Themen, die mich immer belasteten, waren dauerhaft präsent, potenziert mal 10 und kaum kontrollierbar; es war niederschmetternd und ich lernte, wer fliegen will muss auch wieder runterkommen. Ich liebte diese Nächte, aber war es den Preis wirklich wert?

Nach circa einem Jahr mit sogenannten harten Drogen wollte ich es dann wissen: Wie ist so ein Bad Trip, wie fühlt sich das an, wenn die Droge einem den Abgrund zeigt? Vor einem Horror Trip hatte ich keine Angst, also brach ich all die Regeln, die man nicht brechen sollte. Schlechte Verfassung (gestures wildly at everything), schlechtes Setting (Wochenendausflug mit vielen fremden Studenten), viel zu viel Gras im Gepäck (risky mit LSD), kein Trip-Sitter, Pappe rein und auf geht’s. Ein Kumpel war dabei, er zweifelt bis heute daran, ob wir damals wirklich LSD hatten, ich halte diese Zweifel für Quatsch.

Dann passierte es, nach 2-3 schönen Stunden mit Musik, Lichtern und Tanz. Damals verstand ich nicht, wie mir geschieht. In meinem Unterbewusstsein war dieser Teil von mir, allein, ängstlich und verzweifelt, eingeschlossen hinter einer Mauer - und ich war plötzlich auf der anderen Seite der Mauer. Zwischen mir und meinen Mitmenschen eine unendliche Distanz, ein unüberwindbares Hindernis. Einsamkeit und Hilflosigkeit treffen mich wie eine Bombe, es ist kaum auszuhalten. Ich kiffe und kiffe und kiffe und verharre für 20, vielleicht 30 Stunden in diesen Gefühlen, bin ihnen ausgeliefert und verstehe nicht was passiert. Ich bin völlig machtlos, kann nichts dagegen machen.

Irgendwann ließ das Ganze nach, doch die Erfahrung begleitete mich einige Monate, letztlich eher Jahre. Ich gab mein Bestes sie zu verstehen, erklärte mir diese unüberwindbare Instanz mit Indoktrination, Zynismus und was weiß ich. Aber da blieb auch eine Ahnung, dass es das einfach nicht sein kann, dass da mehr war, was ich nicht verstand. Es war der erste Kontakt zu diesem Teil von mir, den ich als Kind weggesperrt habe, der Zugang zu meinen Gefühlen. Und ich musste ihn wieder wegsperren, denn ich war nicht bereit.

Habe keinen Schimmer wo ich jetzt wäre, wenn ich diese Büchse der Pandora nicht aufgemacht hätte, wenn ich einen anderen, drogenfreien Weg eingeschlagen hätte. Kann mir Schlimmeres und Besseres vorstellen. Es hat mir viel gegeben, hat mich zu der offenen und akzeptierenden Frau gemacht, die ich heute bin. Aber es war nicht immer leicht, manchmal war es kaum erträglich und das Risiko war sehr hoch, in noch wesentlich gefährlichere Süchte abzurutschen, als es Gras, Essen oder stoff-ungebundene Abhängigkeiten sind. Ich für meinen Teil bereue es nicht, es ist wie es ist, machste nix.

[–] jamie_veal@feddit.org 8 points 3 weeks ago (1 children)

Joa, in dem größeren Kontext kann man das vielleicht so sehen. Aber wenn der Kontext gerade Genozid in Gaza ist, dann hätte diese Nuanciertheit für mich eher einen whataboutism-vibe.

[–] jamie_veal@feddit.org 15 points 3 weeks ago* (last edited 3 weeks ago) (4 children)

Hab die Definition auch eben gesehen und finde sie eigenartig. Im Duden steht noch explizit, ein Konflikt zwischen Staaten / Völkern. Für mich steckt im Wort Krieg auf jeden Fall drin, dass da zwei Armeen aufeinander treffen und ihre Kräfte messen, dass passiert da schlicht nicht.

Völkermord wäre mein Vorschlag. Gerade auch erstaunt festgestellt, dass der englische wikipedia Artikel Gaza genocide im deutschen Völkermordvorwürfe gegen Israel im Gaza-Krieg seit 2023 sein Pendant hat.

[–] jamie_veal@feddit.org 17 points 3 weeks ago (18 children)

Das Krieg zu nennen finde ich schon ziemlich wildes framing, aber nur meine zwei Cent.

[–] jamie_veal@feddit.org 3 points 3 weeks ago (1 children)

Wir werden auch weiter für uns eintreten müssen.

Oh ja, hoffentlich können wir dazu beitragen, dass es für die folgenden Generationen noch besser wird. Wobei ich eher befürchte, dass wir erstmal ein paar Jahre beschäftigt sein werden, den jetzigen Status aufrecht zu erhalten... x(

[–] jamie_veal@feddit.org 4 points 3 weeks ago (3 children)

Bin echt einfach nur wahnsinnig dankbar, dass Menschen wie uns dieser Weg schon bereitet wurde. Wir stehen auf den Schultern von Riesys <3

[–] jamie_veal@feddit.org 5 points 3 weeks ago (1 children)

Habe die Filme als Jugendliche"r" schon geliebt, aber die Metapher natürlich überhaupt nicht verstanden. Aber jetzt, es ist alles soo offensichtlich, jeder Dialog passt wie die Faust aufs Auge. Habe damals nie verstanden, wieso das Orakel Neo nicht sagt, dass er der Auserwählte ist.

Und dass der Film plötzlich so durch und durch Sinn macht, wenn man ihn aus der richtigen Perspektive guckt, setzt der Metapher einfach nochmal eine Metametapher drauf. Mein Leben macht plötzlich auch von vorne bis hinten Sinn, weil ich's endlich verstanden habe :3

[–] jamie_veal@feddit.org 3 points 3 weeks ago (1 children)
[–] jamie_veal@feddit.org 12 points 3 weeks ago (1 children)

Hidden by the skirt, I'd assume.

[–] jamie_veal@feddit.org 9 points 3 weeks ago

Was soll man von den Nachfahren einer Zivilisation von Filmproduzenten, Telefondesinfizierern, Frisören, Unternehmensberatern und Versicherungsvertretern schon erwarten.

[–] jamie_veal@feddit.org 6 points 3 weeks ago* (last edited 3 weeks ago)

Hatte das Gespräch mal mit meinem Jura studierenden Schwager. Ist eine Weile her, aber ein Punkt war, dass es schlicht keine Instanz gibt, die der Legislative vorschreiben kann, welche Gesetze zu machen sind. Das BVerfG kann Gesetze nur als verfassungskonform oder nicht bewerten, was die Legislative dann damit macht ist ihr überlassen.

Ich frag mich ja echt, ob das Urteil damals vielleicht zum Teil Kalkül war, um die Vermögenssteuer "abzuschaffen".

[–] jamie_veal@feddit.org 2 points 3 weeks ago (1 children)

Giiiiiib!

Wenn alles glatt läuft, geht's in etwa einem Monat los. Also noch so lange die Angst aushalten, dass es doch nicht so unkompliziert wird x)

[–] jamie_veal@feddit.org 11 points 3 weeks ago (1 children)

Wenn ich die Hoffnung an digitale Kompetenz bei den Grünen nicht schon längst wegen diverser EU Abstimmungen verloren hätte (aaargh, wo ist dieses Dokument von Patrick Breyer hin ?), wäre ich vielleicht überrascht.

Danke für deine Aufklärungsarbeit!

 
 

Schamlos inspiriert von https://feddit.org/post/25438452

 

Content Warnings:Indoktrination, Gender Dysphoria, Dissoziation, Essstörung, Homophobie, passive Suizidgedanken, Cannabis (ab)use

Disclaimer:Schönen guten Tag zusammen!

Ich habe noch was nachgedacht, was ich hier eigentlich genau mache.

Zum einen ist es wahnsinnig spannend, noch einmal einigermaßen systematisch über mein Leben zu reflektieren: In bisherigen Therapien habe ich mich immer im Kreis gedreht. Die Zeugenindoktrination habe ich lange Zeit als die Wurzel allen Leidens gesehen und es hat schon sooo vieles erklärt. Aber dass ich eine Frau bin, dieses Puzzleteil hat mir immer gefehlt – und jetzt macht plötzlich einfach alles Sinn.

Zum anderen möchte ich aber auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, unsere Gesellschaft für ein paar Themen zu sensibilisieren. Allem voran für eine von vielen diversen Transgender-Erfahrungen, dicht gefolgt von dieser Sekte, die mitten unter uns ist.

Und wer weiß, vielleicht gibt es sogar jemanden, der hier was liest und es für die eigene Reise nutzen kann.

Es folgt für alle, die Lust haben, Teil 2.

Nun da war ich nun also, an den Anfängen der falschen Pubertät, mit einem Kopf durchseucht von toxischem, fanatischem Gedankengut. Die Welt und die Menschen in ihr sind böse, ich kann niemandem vertrauen. Als Zeuge war ich anders, etwas Besseres, wir waren die einzig Guten, erlernter Narzissmus. Jetzt bin ich böse, denn ich entschied mich für die Welt. Ich bin schuldig und verdiene den Tod. Und der wird kommen, bald. Mein Leben hatte keinen Sinn, denn Gott war der einzige Sinn im Leben. Und Liebe, das ist etwas, was man nicht einfach bekommt, das muss man sich verdienen.

Hinzu kamen all diese Verbote und Regeln, deren wahrer Zweck es ist, dass Zeugen sich in der Welt als anders & ausgeschlossen fühlen; keine Heimat finden. Freunde erzählten tagtäglich von all den spannenden Sachen, die sie im TV sehen durften, wo ich nie mitreden konnte. Furchtbare Sachen wie X-Faktor oder Dragonball durfte ich nicht sehen. Harry Potter durfte ich lesen, nur um dann bei Teil 4 zu lernen, dass das ganz böser Okkultismus ist.

Völlig verstörende Bibelgeschichten waren aber natürlich okay, wie die Geschichte vom treuen Abraham, der im Glaubenswahn seinen verdammten Sohn opfern will. Mich würde man natürlich auch opfern, wenn ich Pech hätte und eine Bluttransfusion zum Überleben bräuchte: Opfer dieser Regel, wurden in so mancher Lektüre als Märtyrer gefeiert.

Kein Weihnachten, kein Geburtstag. Das einzige „Fest“ ist eine Extrakircheneinlage um Ostern, bei der die psychotischsten unter den Zeugen vom Leib Christi speisen dürfen, weil sie überzeugt sind, von Gott persönlich als ganz besondere Menschen auserwählt zu sein, um im Himmel über den verbliebenen Rest im Paradies zu regieren¹.

Und in mir ein völlig verängstigtes, hilfloses, kleines Mädchen, weggesperrt und versteckt, in den Tiefen meines Unterbewusstseins. Versteckt vor der Welt und vor mir selbst. Sie weint und schreit, doch niemand kann sie trösten, weder ich noch sonst jemand. Da ist nur ein schwarzes Loch, dass gestopft werden muss.

Was sollte ich schon tun? Niemand konnte mir helfen. Ein völlig überfordertes Kind in einer existenziellen Krise. Kein Vertrauen, kein Mentor, nichts. Ich stürzte mich tiefer in meine Süchte, Computerspiele und Essen. Wofür ein Leben planen, dass eh fast vorbei ist? Bis heute habe ich keinen Schimmer, wie man zu diesem Menschen, der ich war, hätte durchdringen können. Gab es echte Versuche? Ich erinnere mich nicht. Sicherlich gab es Menschen in meinem Umfeld, die mein Leiden sahen. Waren sie einfach genauso hilflos, wie ich es war?

Immer mehr suchte ich nach Ausflüchten, nicht zu den Zeugen zu gehen, mich abzukapseln. Es gab ein Gespräch mit meinem Vater, bei dem ich von Zweifeln erzählte, ob es Gott gibt. Zweifel die ich mir zurecht gelegt hatte… aus echter Überzeugung, oder um mich vor den quälenden Schuldgefühlen zu schützen? Für meinen Vater war der Gedanke, dass es keinen Gott geben könnte, buchstäblich unvorstellbar. Und meine Eltern ließen mich ziehen, wie sie meine Brüder ziehen ließen². Die ältesten Zwei durfte ich schon längst nicht mehr sehen, denn sie waren schlechter Einfluss.

Erste Berührungspunkte mit der Pubertät: Sexualkunde in der Grundschule, Jungs und Mädchen wurden getrennt, wieso? Meine Schwester kam nicht mit zum Schwimmverein, weil sie ihre Tage hatte. „Was ist das?“, fragte ich meinen Bruder. Er erklärte es mir. Ich war neugierig, fragte, ob oder wann ich das bekomme.

Durch mein Binge-Eating nahm ich zu, in den schlimmsten Zeiten brachte ich fast 150 kg auf die Waage. Langfristig erfolglose Abnehmversuche führten nur zu mehr Frustration. Ich hasste es, mich im Spiegel oder auf Bildern zu sehen, was ich so gut ich konnte vermied. Irgendetwas stimmt einfach nicht, mit dem Jungen, der mir da entgegen blickt. Ist ja offensichtlich wieso, ich bin viel zu dick. Meine Kleidung bestand nur noch aus weiten, etwas zu großen Teilen. Phasenweise kam zu den Fressattacken Bulimie hinzu, „Schadensbegrenzung“.

Als kantiger Skaterboy ließ ich mir die Haare wachsen, woraufhin ein Mädchen in meiner Klasse mich beleidigte, ich sähe aus wie eine fette Frau. Das hat echt weh getan… dass sie mich fett genannt hat. Mobbing war mir nicht fremd, aber alles in allem bin ich diesbezüglich noch gut weggekommen, da mein bester Schulfreund sehr beliebt war. Ich will mir echt nicht ausmalen, wie die Schulzeit ohne ihn gewesen wäre <3.

In meinem Hals wuchs ein Fremdkörper. Es fühlte sich komisch an, wie ein Knoten. Wenn ich wegen damals häufiger grippaler Infekte oder später Refluxproblemen beim Arzt war, erwähnte ich das, aber damit konnte nie jemand etwas anfangen, ist halt so. Ich begann meine Stimme zu hassen, wieso denn eigentlich?

Es sollte noch 20 Jahre dauern, bis ich herausfinde, dass da sehr viel Gender-Dysphoria ist. Dank der Zeugen war praktisch alles was queer ist bloß eine Schublade von falschen Menschen. Hier und da sah man mal Menschen wie Hella von Sinnen oder Hape Kerkeling im Fernsehen, begleitet vom verächtlichen Schnauben meines Vaters. Transmenschen gab es in meiner Wahrnehmung überhaupt nicht. Wenn ich Drag sah, fühlte ich mich unwohl und verstand nie wieso. Die Gesellschaft war nicht sehr weit und auch ich war nicht bereit.

Irgendwann outete sich mein Bruder fast beiläufig als schwul. Er erklärte, dass er das einfach immer gewusst hat, was ich nicht verstand. Nun begann in mir ein Konflikt zwischen erlernter Homophobie und der simplen Tatsache, dass ich meinen Bruder liebe. Die Liebe siegte, aber es brauchte Zeit, was mich heute sehr traurig macht. Es brauchte Zeit, bis ich echte Akzeptanz aufbringen konnte, das tut mir heute furchtbar Leid. Glücklicherweise hatte er Akzeptanz längst woanders finden können, draußen in der bösen Welt, in die er vor unserer Familie geflohen ist.

Für mich hieß Sexualität, ich stelle mir Frauen vor, schaue mir in TV/Internet Frauen an, spiele an mir rum und habe daran Spaß. Wie man das halt so macht, als männlicher Mann. Ist es wirklich das, worauf ich stehe, oder habe ich mich bloß dazu konditioniert? Ständig, täglich, manchmal mehrfach. Ich habe es geliebt und gehasst, wie jede andere meiner Süchte auch. Diese durchtriebene Dauergeilheit, angetrieben vom Überfluss an Testosteron, eine Droge, für die ich mich nie entschieden hatte.

Als ich in Geschichte von Eunuchen lernte, war ich eigenartig fasziniert von diesem Leben. Völlig unabhängig von jeder Geschlechtsfrage stellte ich mir wiederholt vor, dass ich ohne Penis ein glücklicherer, besser funktionierender Mensch wäre. Denkt bestimmt jeder Mann hin und wieder, oder?

Meine Freunde sammelten erste Erfahrungen mit Mädchen, miteinander gehen, Händchen halten und so was. In mir war eine tiefe Sehnsucht nach Nähe und Zuneigung, aber auch die war tief vergraben. Auf fremde Menschen zugehen, dass hat mir immer Angst gemacht, und dann auch noch mit irgendwelchen kaum definierten, „männlichen“ Hintergedanken, das war schlicht unmöglich. Die bloße Möglichkeit als Creep (als Mann) wahrgenommen werden zu können, ekelhaft. Und überhaupt, als ob sich jemals jemand in so einen dicken, hässlichen Menschen verlieben könnte…

Das alles ging in mir vor, doch ich verstand nichts. Da waren nur diese ganzen Gefühle, die sich nicht schön anfühlten, die ich damals nicht benennen konnte und nicht ertragen wollte. Angst, Eifersucht, Scham, Zorn, Hass auf mich und den Rest der Welt. Und in meinem Kopf ein endloser Nebel. Es kam nie zu echten Plänen, aber der Gedanke, ich könnte mir das Leben nehmen, wenn es zu schlimm wird, begann mir Trost zu spenden. Ein Sturz vom Balkon, ein Sprung vor die Bahn, und mein Leid wäre vorbei. Aber das wollte ich nie. Ich wollte nicht sterben, nur leben wollte ich auch nicht.

Dann fand ich erste Hilfe, als ich 17 war. Vielleicht hat es mir das Leben gerettet, vielleicht hat es mein Leiden verlängert, das werde ich nie wissen. Mein Cousin und bester Freund, schon bevor ich denken konnte, ein lebenslanger, schlechter Einfluss (an dieser Stelle ein fettes Danke), brachte Gras in unser Leben. Und verdammte scheiße, hatte ich das nötig. Ein neues Werkzeug in meinem Suchtkasten, Dissoziation zum rauchen. Um die Mauer in mir legte sich eine Wolke aus Gras. „Scheiß auf Gefühle, ich bin ja ein Mann.“ Noch ein ganzes Stück losgelöster von all den Gefühlen konnte mein Kopf endlich anfangen zu rattern - verliebte sich in die Philosophie.

Fußnoten¹Wer wird Harmageddon überleben? Spannende Frage. Mir hat man beigebracht, dass nur wahre Christen (lies: Zeugen) verschont werden, wenn Jesus kommt und die Bösen austilgt. Danach gäbe es eine große Auferstehung, bei der vielen Menschen noch eine zweite Chance gegeben werden soll, was viel genau heißt, ist unklar und hat sich in der Geschichte der Sekte gewandelt. Wer definitiv nicht dazu gehört, sind Menschen, die sich bewusst von Jehova abgewandt haben, diejenigen, die Zugang zur Wahrheit hatten und sie ablehnten. In Jesus’ 1000-jährigem Reich darf dann bewiesen werden, wer würdig ist – Der Rest wird dann endgültig ausgelöscht (lies: Nicht-Existenz, keine Hölle). Die Créme de la Créme der Zeugen, die 144.000, darf an Jesus Seite im Himmel regieren.

²Einige von euch haben vielleicht gehört, dass Zeugen den Kontakt zu Mitgliedern abbrechen, wenn diese sich von der Sekte abwenden. Das passiert und zerstört Leben: Menschen in existentiellen Krisen verlieren von jetzt auf gleich ihr ganzes Support-System. Wenn die Vorsteher entscheiden, dass jemand zu viel sündigt und nicht genug Reue zeigt, wird die Gemeinschaft angewiesen, den Kontakt einzustellen. Ob das von allen durchgesetzt wird hängt aber am Ende auch davon ob, ob die Mitglieder das durchsetzen.

Zuletzt wurde das meines Wissens nach leicht gelockert – zufälligerweise während die Zeugen in Norwegen einen Rechtsstreit um die Anerkennung als Religion führen; dieses sog. shunning ist ein wichtiger Vorwurf in diesem Verfahren und es geht um sehr viel Geld.

Im Fall meiner Familie mussten meine Eltern diese Entscheidung nie treffen, denn meine Brüder und ich waren nicht getauft – bei Hereingeborenen passiert das eher in Teenageralter / Jugend, aber oft auch wesentlich früher. Kommt immer drauf an, wie gut die Indoktrination sitzt und wie viel Druck von Eltern und Umfeld kommt.

 

Heh, mostly for the early phase, but it helped so much.

 

Special shout-out to my dear @Domi@lemmy.blahaj.zone, you're amazing <3

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submitted 1 month ago* (last edited 1 month ago) by jamie_veal@feddit.org to c/mtf@lemmy.blahaj.zone
 

Hello my dears :3

So rn I'm going by Jamie and there's a lot I really like about this name. Its meaning works well (she, who supplants), it's the name of my favorite skater when I was a kid, it does have a nice ring to it.

But when I chose it to play with, I didn't know where my journey would lead to. Now that I do I'm just not sure I like the ambiguity.

That being said, I wonder, how did you all pick your new names? Does it have a special meaning to you? Anything in particular that made you go like "Yes, that's it, that's me!"?

€: Thanks for sharing everyone (and keep going :3)! Definitely some inspiration in there.

 
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submitted 1 month ago* (last edited 1 month ago) by jamie_veal@feddit.org to c/dach@feddit.org
 

Content Warnings:Sekten-Indoktrination, erzwungenes Crossdressing, Dissoziation, Sucht und passive Suizidalität

Disclaimer:

Hallo zusammen!

Heute morgen dachte ich mir, ich setze mich hin, reflektiere ein wenig und habe nachher vielleicht einen kleinen Text zum teilen. Heraus kam ein Fluss an Worten, die gerade einmal die ersten Rahmenbedingungen umfassen. Ich weiß nicht, was das hier wird. Vielleicht ist es der einzige Post, den ich dazu machen möchte, vielleicht sind es die ersten veröffentlichten Drafts meiner zukünftigen Autobiographie. Keine Versprechungen.

PS: An unsere lieben Moderatys: Falls euch das zu heiß ist, das verstehe ich. Dann suche ich mir einen anderen Ort dafür.

PPS: Hier und heute bin ich mental so stabil wie nie zuvor, es besteht kein Grund zur Sorge.

Es war so Mitte der 90er, da war ich ein sehr glückliches Kind. Kaum Bewusstsein, keine Sorgen, kein Geschlecht - einfach nur unbekümmert und frei. Doch das würde nicht so bleiben. Als ich etwa 2 war, sind meine Eltern in ihrer Orientierungslosigkeit den Zeugen Jehovas in die Fänge geraten. Es gab ihnen eine völlig neue Stabilität und Sicherheit, die sie bitter benötigten, nach ihrer lebenslangen Suche. Sie fühlten sich endlich angekommen - aber meinen Brüdern und mir würde die Indoktrination die Köpfe zerschießen.

Irgendwann fing es an mit der Erwartung, dass ich mich doch bitte für das Kichenpendant der Zeugen passender anziehen soll: Hemd, Hose, Krawatte und Jacke. Es hat mich in den Wahnsinn getrieben. Irgendetwas daran hat sich einfach nur völlig falsch angefühlt. Nach unzähligen Streits hatte die Authorität gewonnen, von da an quälte ich mich in Hemd und Hose. Und ich habe es gehasst, jede einzelne Sekunde. Bis heute kann ich keine Anzüge tragen.

Die Indoktrination war bereits in vollem Gange. Ein unbefleckter Verstand, der gerade erwacht und 5h pro Woche mit fanatistischer scheiße berieselt wird. Bevor ich wusste, was ich wollte, wusste ich, was Gott von mir will.

Was ich damals schon niemandem erzählte, weil ich Angst hatte, war, dass ich eifersüchtig war. Unvorstellbar eifersüchtig auf die Modepalette, an der sich Frauen bedienen durften. All die schönen Röcke, wundervollen Kleider und eine unendliche Vielfalt an Tops. Aber nicht für mich, ich bin Thomas, ich sollte ein Mann werden. Und Männer durften nicht sein, wie sie wollen, Männer müssen männlich sein. Männer wollen männlich sein. Für die nächsten ~25 Jahre würde ich diese Lüge akzeptieren und versuchen dieser Erwartung zu entsprechen. Jahre voller Sucht, Depression und Dissoziation.

Das Mädchen in mir musste weg. Ich versteckte sie, irgendwo in den Abgründen unseres Herzens, schloss ich sie weg, hinter einer massiven Mauer. Sie musste vor der Welt beschützt werden und ich wusste nicht wie, es war die einzige Möglichkeit. Waren es die Zeugen, Gott oder meine Eltern, die mich dazu gezwungen haben? Ich weiß es nicht, es war ein Brei in meinem Kopf aus Authorität. Alles was ich wusste, war, dass für sie kein Platz ist.

Was übrig blieb, war eine lose Verbindung, ein endloser Strom an Emotionen, die ich nicht mehr verstehen konnte. Damit war ich überfordert und stürzte mich in meine erste große Liebe, die erste große Sucht, die einzige Sucht: Realitätsflucht. Es begann mit Geschichten & Zockerei, in der Pubertät kam die Fresserei, mit 17 die Kifferei. Bis heute sind meine Lieblingsgeschichten diejenigen, in denen Protagonisten der furchtbaren Realität entfliehen, Harry Potter, Matrix, Shutter Island oder mein Lieblingsfilm, Pan’s Labyrinth.

Irgendwie gelang es mir, für die Authorität zu funktionieren, so einigermaßen, meist gerade so, um größerem Ärger zu entgehen. Eine zeitlang versuchte ich ein guter kleiner Zeuge Jehovas zu werden. Das war schließlich das einzig Wichtige. Es war das, was mich vor dem nahenden Weltuntergang schützen sollte. Es war egal, was ich wollte, was zählt ist, was Gott will und Gott will, dass ich ein braves, kleines, identitätsloses Schaf bin, dass bloß keine falschen Fragen stellt. Das war die Wahrheit^TM^ und nichts als die Wahrheit^TM^, mit der ich groß wurde. Alles andere ist irrelevant.

Versprechungen von einem Gefühl der Erfüllung, wenn ich ein guter, kleiner Zeuge wäre, stellten sich als Nullnummern heraus. Ich gab mein bestes, doch es führte nur zu mehr und mehr Schmerz, den ich nicht verstand. Es war mit 11, 12 oder vielleicht 13, die frühe Phase der Pubertät, da wurde mir klar, dass ich da raus muss. Denn ich habe mich durch und durch schrecklich gefühlt. Meine älteren Brüder haben es mir vorgemacht, meine Schwester hat es nicht raus geschafft. Aber hat es das einfacher gemacht?

Ich entschied mich für den Tod. Das war meine Entscheidung, das ist die Wahl vor du stehst, wenn du Zeuge Jehovas bist und raus musst. Denn ich kannte die Wahrheit^TM^ und wer die Wahrheit^TM^ kennt und sich gegen Jehova entscheidet, wird garantiert getötet werden, in Harmageddon, das unmittelbar bevor steht.

Vielleicht morgen, vielleicht übermorgen. Vielleicht nächste Woche, oder maximal ein Monat? Also auf jeden Fall sehr, sehr, sehr, sehr bald. Wir sind schon fast da, fuck, wir warten sehnsüchtigst darauf, dass Jesus kommt und die Bösen^TM^ ausrottet und die Welt uns Guten^TM^ gehört. Was für ein toller, liebervoller Vater Jehova doch ist <3. "The final part of the last days of the final part of the final part before the last day of last days!" - ein Zitat. aus deren noch recht neuem BibelTV vor ein paar Jahren.

Oder es passiert halt nie, weil das alles ein Riesenhaufen gequirlter, inkonsistenter und unlogischer scheiße ist. Aber das wusste ich damals natürlich nicht. Ich wählte den Tod, denn das war mir lieber, als für die Ewigkeit in diesen qualvollen Gefühlen zu verweilen.

 

I have so many meme ideas, but they're so obvious and have probably been done a thousand times x). Hopefully still enjoyable to some :3

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submitted 1 month ago* (last edited 1 month ago) by jamie_veal@feddit.org to c/mtf@lemmy.blahaj.zone
 

Back when I was a teen I've had a rather weak immune system for quite a while. Once or twice a year I'd have a pretty rough cold and went to the doctor. One of the symptoms I described was a strange feeling inside my throat, like there'd be some foreign object stuck, that doesn't belong. My cold got treated, I got better, but that object, it never went away.

A while later I went to the hospital due to acid reflux issues. It was a rough time, I woke up and felt sick almost everyday. Again I explained that there's this weird feeling in my throat, like there's a knot or something, but the doctors couldn't find anything out of the ordinary and dropped it.

Fast forward another ~15 years. I'm in therapy, mostly group-settings, and there's a therapist whom I've developed a very strong feeling of trust towards. Very unusual. At some point I've mentioned that weird knot in my throat and she tried to help me find out what it might be. Maybe it's a metaphor? A knot that's keeping my feelings away from my conscience? Or even a psychosomatic manifestation of that?

Nope to all of that. IT WAS MY FUCKING WAY TO BIG ADAM'S APPLE ALL ALONG! A constant source of gender dysphoria, "stuck in my throat", since my body told my larynx to grow during puberty.

It's so surreal, there's sooo much stuff that just suddenly is so easy to explain, struggles that I've thought about for years and never got really satisfying explanations for.

Did you have an interesting "It-was-gender-dysphoria-all-along" experience?

PS: Is there a nice term to address everyone in this beautiful space? I'm a little hesitant to use something like "Hey girls!", because I wouldn't want to exclude anyone who doesn't feel that close to the feminine side.

PSS: Is something wrong with this post? Please let me know.

 

A while ago, when one of the Proton CEOs made some questionable statements, I terminated my Proton subscription. I liked Proton, having all the services I need in one place was nice and I wasn't sure whether I'd actually leave and had a year already paid left.

I thought about at least leaving my mail there, but 4-5€ / month just for mail isn't worth it in my opinion. And I'm very pissed that mail-forwarding and IMAP are premium features, something I probably should've found out way earlier. They want to lock me in, which is a dealbreaker for me.

So with that in mind, does someone know a fitting alternative? I'd of course still prefer a privacy-focused service and would be fine paying <= 2€.

€: Bonuspoints if there are no "special discounts" (discounts for commiting to a longer subscription are fine, what i mean is special deals for new customers or black friday deals, stuff like that)

€€: Going to give mailbox a shot, thanks everyone!

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